Von den Highlands bis Islay: Ein Überblick über Schottlands Whisky-Regionen

von Marlene

Ich bin schon mehrmals durch Schottland gereist und habe dabei mehrere Brennereien in verschiedenen Whisky-Regionen besucht. Was mich dabei wirklich überrascht hat: Whisky schmeckt nicht überall gleich. Die Region, aus der ein Whisky stammt, prägt seinen Geschmack maßgeblich. Von der Wasserquelle bis zu den Torfvorkommen vor Ort – all diese Einflüsse finden sich später im Aroma wieder.

Schottland hat fünf offiziell anerkannte Whisky-Regionen: Campbeltown, Highland, Islay, Lowland und Speyside. Wer rauchige, torfige Aromen mag, wird auf Islay fündig. Wer es lieber milder und fruchtiger hat, sollte sich die Speyside oder die Highlands anschauen. Hier bekommst du einen Überblick über die fünf Whisky-Regionen Schottlands inklusive Tipps, welche Destillerien sich besonders für einen Besuch lohnen.

Highlands

Die Highlands sind die flächenmäßig größte Whisky-Region Schottlands. Sie beginnt nördlich von Glasgow und Edinburgh und erstreckt sich hinauf bis zur Nordküste und den vorgelagerten Inseln. Die Region umfasst malerische Täler, Seen, Berge und Küstenlandschaften – und genau diese Vielfalt spiegelt sich auch im Glas wider.

Highland-Whiskys lassen sich kaum auf einen gemeinsamen Nenner bringen. Das Spektrum reicht von fruchtiger Süße über Heidekraut und leichte Rauchigkeit bis hin zu maritimen Akzenten bei den küstennahen Brennereien.

Diese Whisky-Destillerien in den Highlands sind einen Besuch wert:

  • Glen Ord*: Der „Singleton of Glen Ord“ gehört zu den Hauptabfüllungen der Singleton-Marke und wird gezielt für den asiatischen Markt produziert.
  • Glengoyne*: Glengoyne ist bekannt für die langsamsten Brennblasen Schottlands. Das Motto „Unhurried Since 1833″ ist kein Marketing, sondern gelebte Philosophie.
  • Glenmorangie: Die Brennerei ist berühmt für ihre ungewöhnlich hohen Pot Stills, die gerne „Giraffen“ genannt werden. Sie lassen den Dampf langsamer kondensieren, wodurch die Whiskys besonders leicht, elegant und fruchtig werden.
  • Tullibardine: Hier reifen viele Abfüllungen in ehemaligen Rotweinfässern, was intensive fruchtige und süße Noten ergibt.
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Lowlands

Die Lowlands liegen im südlichen Teil Schottlands, südlich einer gedachten Linie zwischen Greenock und Dundee, und reichen bis zur englischen Grenze. Glasgow, Edinburgh und Stirling liegen hier – die Region ist damit besonders leicht zu erreichen.

Lowland-Whiskys sind die leisesten unter den schottischen Single Malts. Sie werden meist ungetorft produziert und häufig dreifach destilliert, was ihnen eine außergewöhnliche Sanftheit verleiht. Typische Aromen von Lowland Whisky sind florale Noten, fruchtige Nuancen wie Apfel oder Birne sowie eine leichte Süße, zum Beispiel nach Honig oder Vanille. Viele Lowland-Whiskys landen in Blends, wo ihr milder, aromatischer Charakter sehr geschätzt wird. Für Einsteiger sind sie der ideale Start in die Welt des Whiskys.

Ein Blend – oder genauer gesagt „Blended Whisky“ – ist eine Mischung aus Whiskys verschiedener Brennereien, die gezielt miteinander kombiniert werden. Ziel ist ein harmonisches, gleichbleibendes Aroma, das unabhängig von einzelnen Jahrgängen oder Chargen immer wiedererkennbar ist. Im Gegensatz dazu stehen Single Malts – Whiskys, die aus nur einer Brennerei stammen.

Diese Whisky-Destillerien in den Lowlands sind einen Besuch wert

  • Glenkinchie*: Glenkinchie liegt nur wenige Kilometer von Edinburgh entfernt und produziert unter anderem für die Blends von Johnnie Walker. Die Brennerei ist das „Lowland Home of Johnnie Walker“.
  • Auchentoshan: In der Nähe von Glasgow gelegen und bekannt für seine konsequente dreifache Destillation.
  • Clydeside*: Eine der neueren Stadtbrennereien, mitten in Glasgow gelegen.
  • Lindores AbbeyDie Brennerei steht auf dem Gelände der ehemaligen Abtei Lindores aus dem Jahr 1191, wo bereits mindestens seit 1494 Whisky destilliert wurde. Nach langem Stillstand wird seit 2017 wieder produziert.
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Speyside

Speyside liegt im Nordosten Schottlands und ist offiziell eine Unterregion der Highlands. Die Region folgt dem Verlauf des Flusses Spey, der für die meisten Brennereien hier als Wasserquelle dient. Auf einer Fläche, die an manchen Stellen kaum 25 Kilometer breit ist, haben sich rund 60 aktive Destillerien angesiedelt. Das macht Speyside zur Region mit der höchsten Brennereidichte weltweit. Die erste offiziell lizenzierte Brennerei war The Glenlivet – im Jahr 1823.

Speyside-Whiskys sind in der Regel zugänglich, süß und fruchtig: Äpfel, Birnen, Vanille, Honig. Mit zunehmendem Alter – besonders bei Sherry-Fassreifung – kommen getrocknete Früchte und ein süßlich-würziges Aroma dazu.

Im nördlichen Teil von Speyside befindet sich der Cairngorms Nationalpark.

Diese Whisky-Destillerien in der Speyside sind einen Besuch wert

  • Glenlivet: Die erste legale Brennerei der Region, mit einem modernen Besucherzentrum.
  • Glenfiddich: Der weltweit meistverkaufte Single Malt und eine der wenigen Brennereien, die noch in Familienhand geführt werden.
  • Cardhu*: Eine der wenigen Brennereien, die maßgeblich von einer Frau gegründet wurde. Außerdem gilt Cardhu als das „Speyside Home“ von Johnnie Walker.
  • The Macallan: Die Whiskys dieser Brennerei werden oftmals als die „Rolls-Royce unter den Whiskys“ bezeichnet. Das neue Besucherzentrum verbindet moderne Baukunst mit Einblicken in die Welt von Macallan.

Wenn du Lust bekommen hast, die Speyside ausgiebig zu erkunden, empfehle ich dir diesen 4-tägigen Roadtrip ab Edinburgh.

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Islay

Islay ist die südlichste der Inneren Hebriden und hat knapp 3.000 Einwohner – aber neun aktive Destillerien: Bowmore, Ardbeg, Lagavulin, Laphroaig, Bruichladdich, Kilchoman, Caol Ila, Bunnahabhain und Ardnahoe. Das ist eine beeindruckende Dichte für eine Insel dieser Größe.

Islay ist vor allem für seine rauchigen Whiskys bekannt. Der Rauch entsteht beim Trocknen des gemälzten Getreides über brennendem Torf: Dabei setzen sich Phenole auf dem Malz ab und verleihen dem späteren Whisky sein charakteristisches Aroma – oft beschrieben als medizinisch, erdig oder nach Lagerfeuer. Rund 70 Prozent der Inseloberfläche sind mit Torf bedeckt, was die Verfügbarkeit und Tradition erklärt.

Diese Whisky-Destillerien in Islay sind einen Besuch wert:

  • Lagavulin*: Eine der bekanntesten Destillerien auf Islay. Die Abfüllungen gehören zu den torfigsten Whiskys überhaupt – perfekt für alle, die rauchige Aromen lieben. Die Brennerei liegt an der Südküste der Insel, zwischen Laphroaig Distillery und Ardbeg Distillery.
  • Caol Ila*: Die größte Brennerei auf Islay und zugleich das „Islay Home“ von Johnnie Walker. Ein Großteil des hier produzierten Whiskys fließt in die bekannten Blends der Marke ein.
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Campbeltown

Campbeltown liegt am südwestlichen Zipfel des schottischen Festlands auf der Kintyre-Halbinsel. Die Lage macht die Stadt nicht gerade leicht erreichbar – was vielleicht erklärt, warum sie heute oft übersehen wird. Dabei war Campbeltown einst die Whiskyhauptstadt der Welt, mit über 30 aktiven Brennereien auf engstem Raum.

Den Niedergang brachten wirtschaftliche Krisen im frühen 20. Jahrhundert und der durch die Prohibition bedingte Wegfall des amerikanischen Markts. Heute brennen hier nur noch drei Destillerien: Springbank, Glen Scotia und Glengyle, das 2004 nach langer Pause wieder eröffnet wurde. Salzige und leicht rauchige Noten treffen auf fruchtige Aromen, Vanille und Toffee.

Diese Whisky-Destillerien in Campbeltown sind einen Besuch wert:

  • Springbank: Die einzige Brennerei Schottlands, die ihren gesamten Produktionsprozess – vom Mälzen bis zur Lagerung und Abfüllung – ausschließlich in einer einzigen Anlage abwickelt.
  • Glengyle: Die jüngste der drei Brennereien destillierte ihren ersten Spirit im Jahr 2004 und produziert den Whisky „Kilkerran“.
  • Glen Scotia: Die älteste aktive Brennerei in Campbeltown, verkörpert mit ihren Whiskys den typischen maritimen Charakter der Region.

Welche Whisky-Region die richtige für eine Schottland-Rundreise ist, hängt letztlich vom eigenen Geschmack ab. Aber auch davon, was man neben dem Whisky noch sucht. Wer zum ersten Mal in Schottland unterwegs ist und nicht weiß, ob Whisky überhaupt etwas für ihn ist, liegt mit der Speyside, den Highlands oder den Lowlands richtig. Die Whiskys sind zugänglich und mild – und diese Regionen haben abseits der Brennereien noch viele weitere Highlights zu bieten. Außerdem sind sie von Edinburgh und Glasgow aus leicht erreichbar. Echte Liebhaber des rauchigen Whiskys sollten unbedingt nach Islay – und mindestens zwei Tage einplanen, denn die Insel lohnt sich weit über die Brennereien hinaus.

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